Blick auf einen Teich, der von Bäumen eingerahmt wird in Monets Garten in Giverny
Grüne Wunder, wilder Wuchs – 13/01/2018

Entdecken Sie die schönsten Gärten Europas

Licht und Schatten, Terrassen und Treppen, exotische und regionale Pflanzen

Villa D'Este, Tivoli

Kaskaden, Brunnen und Fontänen: Im 1565 errichteten Renaissance-Garten plätschert, spritzt und gluckst es an allen Ecken. Die Anlage ist ein wahres Brunnenorchester mit mehr als 500 verschiedenen Wasserspielen. Laubengänge, Grotten mit Skulpturen aus der römischen Mythologie und Schatten spendende Alleen mit jahrhundertealten Zypressen sorgen für angenehme Kühle. Hofarchitekt Alberto Galvani nutzte geschickt das natürliche Gefälle des Geländes und verband Hang- und Hauptgarten durch eine Vielzahl von Treppen und begrünten Terrassen, von denen fantastische Ausblicke in die römische Campagna gelingen.

Palácio dos Marqueses de Fronteira, Lissabon

Poesie aus Keramik. Hunderttausende weißblaue Kacheln schmücken die Anlage mit unterschiedlichsten Motiven: Karten spielende Glücksritter, Schäfer mit ihren Herden oder Tiergrotesken. An den Grotten und Brunnen wachsen riesige Philodendren und andere tropische Pflanzen. Glanzstück der Anlage ist die zweigeschossige Galerie der Könige: In den kachelummantelten Nischen präsentieren sich die Büsten portugiesischer Herrscher in blütenweißem Carrara-Marmor. Darunter: zwölf Adlige hoch zu Ross. Ihnen zu Füßen ein Schalenbrunnen, in dem sich die leuchtend blauen bis dunkelvioletten Azulejos spiegeln.

Blick in den Jardin de Cactus auf Lanzarote. Im Hintergrund ist eine Windmühle.

Der Cactus Garten ist einer der letzten Werke von Cesar Manrique.

Jardin de Cactus, Lanzarote

5000 Quadratmeter bedeckt mit mausgrauen Lavasteinchen: Kein Platz, an dem die Natur üppig sprießt. Dennoch errichtete César Manrique genau hier seinen Kaktusgarten. Einem Amphitheater gleich, geht es über Stufen und Steinwege hinunter in die Mitte des Kraters, wo ein Teich mit üppig blühenden Wasserpflanzen einen Kontrast zur unwirtlichen Mondlandschaft bildet. Rund 1.400 verschiedene Kaktusarten aus allen Teilen der Welt ließ der Künstler anpflanzen: Kugelrunde mit scharfen zentimeterlangen Dornen, mannshohe, die ihre Arme in den Himmel strecken oder unscheinbare Winzlinge mit zartrosa Blüten auf dem Kopf.

Blenheim, Oxfordshire

Weite Wiesen, sanfte Hügel, malerische Baumgruppen – allein die Mauer, die den 810 Hektar großen Park umfasst, erinnert daran, dass diese Landschaft von Menschenhand geschaffen wurde. Die Kunst des Architekten Lancelot Browns bestand in der perfekten Nachahmung der Natur – zu dessen Pflege allerdings 200 Gärtner notwendig waren. In Blenheim ließ der Landschaftsplaner 1763 das Flüsschen Glyre zu einer 60 Hektar großen Wasserfläche aufstauen, rundete die Ufer ab, pflanzte Wäldchen und legte großflächig Wiesen an. So entstand der Prototyp des englischen Gartens als Gegenentwurf zu Versailles.

Palacio de Generalife, Granada

Ein Abbild des Paradieses sollte sie sein: Die im 13. Jahrhundert errichtete Gartenanlage – oberhalb der Alhambra gelegen, mit fantastischem Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Geschützt von immergrünen Hecken, zogen sich die islamischen Nasridenherrscher hierher zurück – und genossen die Stille und Kühle der verschachtelten Gartenräume mit ihren marmorgefassten Becken, säulenreichen Loggien und blühenden Rosengärten. Noch heute duftet es nach Veilchen und Jasmin, das sanft plätschernde Wasser klingt wie leise Musik – und an den Bäumen reifen aromatische Zitrusfrüchte.

Schlosspark, Versailles

Alleen, wie mit dem Lineal gezogen, Buchsbäumchen, gepresst in 67 verschiedene Schnittformen. Und ornamentartig angelegte Beete, die gestickten Teppichen gleichen: Der Park von Versailles gilt seit seiner Einweihung 1664 als Inbegriff europäischer Gartenkunst. Besonders die Wasserspiele – im kreuzförmigen Großen Kanal sowie im Apollon- und Latonabrunnen – machten Furore. Zu seinen Glanzzeiten waren mehr als 1.400 verschiedene Fontänen im Einsatz. Aber nie gleichzeitig: Ein Heer von Arbeitern setzte die jeweiligen Wasserspiele immer dann in Betrieb, wenn „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. gerade daran vorbeischritt.

Ein Kiesweg zwischen einer Mauer und Pflanzen im Botanischen Garten von Padua.

Der botanische Garten von Padua, in Venetien, wurde 1545 von der Hochschule Paduas als medizinischer Garten gegründet.

Botanischer Garten, Padua

„Gerippt und gezackt, auf mastig strotzender Fläche“ – so beschrieb Johann Wolfgang von Goethe 1790 die Zwergpalme im ältesten botanischen Garten der Welt. 1545 gründeten die Venezianer die streng geometrisch gegliederte Anlage – für wissenschaftliche Studien und die Aufzucht von Heilpflanzen. 15 Jahre später pflanzte ein Gärtner hier die erste Kartoffelknolle in europäische Erde. Neben der Goethepalme, die noch immer zu bewundern ist, beeindrucken auch ein Gingkobaum und eine Magnolie durch ihr hohes Alter: Beide Pflanzen stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind damit die ältesten Exemplare ihrer Art.

Schlosspark Sofiero, Helsingborg

„Ein großes Kunstwerk mit einer umfassenden Geschichte“, urteilte 2010 eine internationale Jury – und wählte den Garten von Sofiero zum schönsten Park Europas. Die Sommerresidenz des Kronprinzen Oskar und seiner Gemahlin Sophia von Nassau – errichtet 1864 – besitzt eine der größten Rhododendrensammlungen Europas. 500 verschiedene Arten blühen im Mai in Rosa, Weiß oder Himmelblau. Aber auch Rosen, Lilien, Primeln und andere Pflanzen gibt es zu bewundern, dazwischen die Skulpturen zeitgenössischer Künstler. Neben der Blumenpracht erwartet die Besucher das ganz Jahr über Ausstellungen und Konzerte

Konventgarten, Seligenstadt

Blau gefärbte Kohlköpfe, Aprikosenbäume im Spalier und duftender Lavendel: Der Konventgarten der Benediktiner-Abtei ist einer der schönsten Klostergärten Europas. In der über 1.000 Jahre alten Anlage präsentieren sich auf 8.000 Quadratmeter über 350 zum Teil uralte Zwergobstbäumchen und Gemüsearten wie Porree, Sellerie oder Kohl. Schließlich lebten die Mönche in den Klöstern jahrhundertelang autark. Und im Apothekergarten, erbaut nach den Plänen alter Kupferstiche, finden 200 Heilpflanzen und Kräuter eine Heimat – beetweise den Leiden zugeordnet, für deren Heilung sie noch heute verwendet werden.

Blick auf einen Teich, der von Bäumen eingerahmt wird in Monets Garten, Giverny

Im üppigen Garten von Giverny entstanden viele berühmte Gemälde von Claude Monet.

Monets Garten, Giverny

Für Claude Monet war sein nördlich von Paris gelegenes Landhaus Rückzugsort und Muse zugleich. Der impressionistische Maler schuf um 1880 in dem kleinen normannischen Dorf eine üppig wuchernde Blumenlandschaft, die Besucher aus aller Welt noch heute in ihren Bann zieht. Zwiebelgewächse, Stauden und Einjahresblumen: Alles ließ der Künstler so arrangieren, dass der Garten zu jeder Jahreszeit in bunten Farben erstrahlt und ihm als Inspiration für seine Bilder diente. Allen voran der faszinierende Seerosenteich mit seiner japanischen Brücke: Ein Motiv, das Monet in mehr als 100 Variationen auf die Leinwand bannte.